Editorial Brater-Sohn-Konflikt

Brater-Sohn-Konflikt

Vor einigen Wochen habe ich für meinen Sohn einen Burger zubereitet. Er ist 13 Jahre alt und ein ziemlicher Burger-Experte. Gute Buns, Tomate, Zwiebelringe, BBQ-Sauce, Mayo, das volle Programm. Was nur ich wusste: Das Patty war aus pflanzlichen Proteinen. Fake also. Kein Fleisch, sondern vegetarisch, das Produkt eines großen Lebensmittelhändlers. Mein Sohn hat sich, so wie immer, einen turmhohen Burger gebaut, und hat ihn dann – besser als in jedem Werbespot – zwischen beide Hände genommen und herzhaft zugebissen. Ich habe ihn beim Essen unauffällig beobachtet und auf Protest gewartet, aber da kam nichts. Am Ende war er satt und zufrieden. Als ich ihn mit der Wahrheit konfrontiert habe: „Das war kein Fleisch!“, war er überrascht und – Sie werden es nicht glauben – glücklich. Weil auch er mit seinen 13 Jahren schon mitbekommen hat, wie fragwürdig unkritischer und unnötiger Fleischkonsum ist. Für meinen Sohn ist ein vegetarischer Burger die Lösung eines Problems. Nach dem Motto: Wenn er mir genauso gut schmeckt wie Fleisch, dann muss auch kein Tier dafür sterben. Mich hat das sehr ins Grübeln gebracht (und natürlich habe ich das Patty auch probiert, und mich hat es nicht ganz so überzeugt). Ich möchte Ihnen die Lektüre unseres sehr informativen Beitrags über vegetarisches Fleisch in unserer Serie „Die Zukunft der Ernährung“ empfehlen. Ich glaube, dass im Wort Meinungsbildung das Wort „Bildung“ nicht ohne Grund steckt.