Editorial Die neue Eiszeit

Die neue Eiszeit

Dass wir in einem Entwicklungsland leben, wenn es um Eiswürfel geht, wurde mir zum ersten Mal bewusst bei einem Besuch Tel Avivs vor etwa sechs Jahren. In einer Bar bestellte ich einen kleinen, hochprozentigen Cocktail nach dem Essen und machte große Augen, als mir der sehr coole Bartender das Glas reichte. Der Tumbler war fast vollständig mit einem einzigen, runden, glasklaren Eiswürfel bestückt. Auf der Oberfläche war das Logo der Bar zu erkennen, Bärenkopf inklu­sive, als Relief geschnitzt. Der Barmann goss meinen Drink aus dem Shaker komplett über dem Eiswürfel aus, die Flüssigkeit suchte sich ihren Platz zwischen Glasrand und Eis, sie passte kubikmillimetergenau hinein. "Cheers!" Seitdem ist viel passiert, auch in Deutschland. Der Eiswürfel ist nicht mehr nur dazu da, ein Getränk zu kühlen, er ist auch Schmuckstück, Diskussionsgegenstand und Kunstwerk geworden. Eis aus guten Eismaschinen schmilzt um ein Vielfaches langsamer, ist beinahe durchsichtig und wird im besten Fall von talentierten Barkeepern in vergängliche Eisunikate verwandelt. Mein Kollege Jochen Pioch hat sich der neuen Eiszeit einmal angenommen.
Gründe für das Glas danach gibt es ja genug. In dieser Ausgabe sind es genau 15. So viele, für die meisten von uns wunderbar neue Fleischschnitte stellen wir Ihnen nämlich vor. Wir haben sie entdeckt – in den USA, wo sonst? Cuts, die großartig schmecken, die Sie kennen sollten und von denen uns einige in kurzer Zeit sicher genauso vertraut sein werden wie Rumpsteak, Porterhouse oder Filet. Ich bin sehr gespannt, wie Ihnen die neuen Schnitte schmecken werden und wünsche viel Spaß bei der Zubereitung. Die Rezepte und eine Bestellmöglichkeit für das Fleisch haben wir für Sie gleich mitorganisiert.