Editorial Haxen statt Schnitzel

Haxen statt Schnitzel

Bei aller Liebe zum Kochen und Essen bin ich auch Pragmatiker. Das merke ich immer dann, wenn ich mich vor der Bestellung im Restaurant frage, welches dieser Gerichte ich zu Hause niemals selber kochen würde, weil es mir zu viel Arbeit macht. Und umgekehrt bestelle ich nichts, was ich jederzeit und problemlos daheim hinkriege.

Beispiel gefällig? Das Steak! 80 Prozent des Geheimnisses eines guten Steaks ist die Qualität des Fleisches, 20 Prozent sind ein Grill, der sehr heiß wird oder eine gute Grillpfanne und bei großen Stücken ein Fleischthermometer. Weil ich einen guten Metzger habe, gelingt das perfekte Steak bei mir jederzeit, ruckzuck und auf gleichbleibend höchstem Niveau. Deshalb bestelle ich es (fast) nie im Restaurant.

Gegenbeispiel? Wiener Schnitzel. Fleisch dünn aufschneiden, plattieren, mehlieren, ins Eigelb tunken, dann durch die selbst gemachten Semmelbrösel ziehen, in einem Ozean geklärter Butter (die ich danach nicht mehr verwenden kann) braten, schaukeln. Herd und Küche verwandeln sich nicht nur olfaktorisch in eine Frittenbude. Wiener Schnitzel zu Hause? Ohne mich.

Kommen wir zur Titelgeschichte. Haxen, herrliche Haxen. Die Fleischqualität ist zwar wichtig, der lange Schmorprozess macht aber auch aus einem mittelmäßigen noch ein leckeres Beinchen. Vorher: Gemüse, Brühe, Wein, Gewürze, die Haxen parieren – Arbeit ja, aber überschaubar. Den Rest macht der Ofen oder Gasgrill. Für dunkle Sonntagnachmittage sind Haxen eigentlich ideal. Nicht nur kulinarisch. Sie sind auch ein guter Zeitvertreib. Auch weil man schon am Nachmittag diesen herrlich dunklen mittelitalienischen Rotwein, der schon so lange im Keller auf seine Bestimmung wartet, entkorken, einschenken ... ach, Sie wissen schon!